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RTL-Group Anteile

Bertelsmann bereitet Kaufofferte vor

Verwaltungsrat des Luxemburger RTL-Konzerns will mit Finanzfachleuten über Angebot beraten

© 2001 Luxemburger Wort

aho - Möglicherweise schon Anfang Februar dieses Jahres könnte der deutsche Medienkonzern Bertelsmann seine Kaufofferte für die im Streubesitz befindlichen Anteile an der Luxemburger RTL Group starten. Wie der Verwaltungsrat des luxemburgischen Unternehmens, der am Dienstag tagte, mitteilte, habe Bertelsmann das Gremium über seine schon bekannte Absicht unterrichtet, die restlichen elf Prozent an der RTL Group zu übernehmen und damit zum alleinigen Aktionär des auf Kirchberg angesiedelten Konzerns aufzusteigen.
Zunächst wolle der Verwaltungsrat der RTL Group seine Position mit unabhängigen Finanzberatern diskutieren, hieß es in einer kurzen Pressemitteilung. Erst dann soll über den - von der RTL Group als "mögliches Angebot" bezeichneten Vorschlag befunden werden. Bertelsmann kündigte gleichzeitig an, alle notwendigen Schritte einzuleiten, um ein entsprechendes öffentliches Kaufangebot Anfang Februar unterbreiten zu können.
44 Euro pro Aktie sollen den freien Aktionären unterbreitet werden. Zu diesem Preis hatte Bertelsmann am 24. Dezember 2001 bereits den 22-Prozent-Anteil von Pearson an der RTL Group erstanden. Der Preis von 44 Euro gilt allerdings bei Luxemburger Kleinanlegern und Investoren, die schätzungsweise rund vier Prozent der freien Anteile von RTL Group halten, als unannehmbar (siehe LW vom 27. Dezember).
Sie fordern ein vergleichbares Angebot, das die Groupe Bruxelles Lambert (GBL) im Juli vergangenen Jahres erhalten hatte, als Bertelsmann über ein Aktientauschgeschäft zu seinen 37 Prozent weitere 30 Prozent der Anteile an der RTL Group von GBL erwarb und damit die Kontrolle beim luxemburgischen Medienkonzern übernahm. Verschiedenen Schätzungen zufolge soll der damals ausgehandelte Preis zwischen den beiden Großgesellschaften 275 Euro pro RTL Group-Aktie entsprochen haben.
Die Luxemburger Kleinanleger und Investoren fühlen sich in ihren Rechten als Minderheitsaktionäre verletzt, weil sie von diesem Geschäft ausgeschlossen blieben. Gegen die Missachtung der Gleichbehandlung aller Aktionäre bei dem Kontrollwechsel haben die Investmentgesellschaften Audiolux und BGL Investment Partners sowie auch die Interessengemeinschaft von Kleinaktionären Investas a.s.b.l. einen Gerichtsprozess angestrengt.
Die Minderheits- und Kleinaktionäre haben aber trotz des anhängigen Verfahrens weiterhin Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Andererseits sind sie dem Vernehmen nach fest entschlossen, mit allen Mitteln ihre Rechte zu verteidigen. Als zusätzlicher Ansatzpunkt gilt, dass Bertelsmann trotz der immer wieder bekräftigten Absicht, den Streubesitz auf mindestens 15 Prozent zu erhöhen, nun genau das Gegenteil anstrebt.

Luxemburger Wort 09.01.2001


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