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Mit der schrittweisen Abschaffung der „Loi Rau"-Bestimmungen und dem Wegfall von Steuervorteilen

„Börsennotierte Gesellschaften müssen selbst für ihre Attraktivität sorgen“

Nach Ansicht der Teilnehmer eines von Investas organisierten Rundtischgesprächs hat die „Loi Rau" zwar das Interesse an Wertpapieren geweckt, von einer ausgeprägten Aktienkultur kann man aber nicht reden

oho - Lohnt sich für den privaten Kleinaktionär vor dem Hintergrund der schrittweisen Abschaffung der „Loi Rau"-Bestimmungen noch der Kauf von Anteilen der unter „Loi Rau-Sicav's" bekannten Investmentfonds? Auf diese Frage konnten die Experten eines Rundtischgesprächs am Dienstag keine befriedigende Antwort geben. Wesentlicher Grund dafür ist, dass das Management der einzelnen Fonds noch nicht endgültig entschieden hat, mit welcher Strategie und welchem Risiko die Zukunft der Fonds gestaltet wird, hieß es auf der von Investas, der Luxemburger Schutzvereinigung der Kleinaktionäre, organisierten Veranstaltung.

Geschaffen wurde das „Loi Rau"-Gesetz 1993 mit dem vorrangigen Ziel, (neuen) luxemburgischen Unternehmen, Kapital zur Verfügung zu stellen oder private Anleger an Kapitalerhöhungen zu beteiligen. Weil dieses Ziel nicht in dem erhofften Maße erreicht worden sei und die auf eine Bevorzugung Luxemburger Aktien ausgelegte Regelung nicht mehr vereinbar mit europäischen Bestimmungen sei, habe man die Abschaffung der Bestimmungen beschlossen, sagte der Abgeordnete und Berichterstatter des Gesetzes über die Steuerreform, Norbert Haupert.

Als steueroptimiertes Produkt kommen diese Investmentfonds noch bis einschließlich 2004 in Frage. Bis dahin werde sowohl der Betrag, der im Rahmen der Spezialausgaben vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen werden kann, als auch der für die Investmentfonds vorgeschriebene Mindestanteil Luxemburger Wertpapiere schrittweise gesenkt, so Haupert weiter.

Kompensation in Form der privaten Altersvorsorge

Als eine Art Kompensation für die Abschaffung der „Loi Rau"Bestimmungen habe die Regierung gesetzliche Grundlagen zur privaten zusätzlichen Rentenversicherung (3. Pfeiler) mit vergleichbaren fiskalischen Anreizen geschaffen, sagte der Abgeordnete. Je nach Einstiegsalter könnten mit diesen Produkten zwischen 1500 und 3 000 Euro pro Vertrag steuerlich abgesetzt werden. Da sich diese Steuervorteile schon für dieses Jahr erzielen lassen, ergeben sich für das Steuerjahr 2002 mit der Fülle steueroptimierter Produkte einmalige Abschreibungsmöglichkeiten, sagte Haupert gegenüber dem LW. Dass deutlich höhere Steuerrückzahlungen zu einem möglichen Engpass in der Staatskasse führen könnten, wollte der Abgeordnete nicht ausschließen. Bei den verschiedenen Maßnahmen der Regierung, Privatleuten die Kapitalanlage in Wertpapiere schmackhaft zu machen, spiele die Gewährung von Steuervorteilen eine ganz wichtige Rolle. Außerdem helfen steuersparende Kapitalanlagemodelle, unter den eher konservativ orientierten Luxemburgern eine Aktienkultur zu entwickeln, sagte Haupert.

Interesse an Aktien wurde geweckt

Einigkeit herrschte unter den Teilnehmern des Rundtischgesprächs, an dem neben Haupert noch Camille Fohl, Präsident von Generalpart, Alain Huberty, Administrator von Luxempart sowie Michel Maquil, Direktor der Börse, teilnahmen, darüber, dass die „Loi Rau"-Bestimmungen Interesse an einer Kapitalanlage in Aktien geweckt haben. Von einer ausgeprägten Aktienkultur in Luxemburg könne man aber nicht sprechen,hieß es auf der von Wirtschaftsredakteur Jean-Lou Siweck moderierten Veranstaltung. Außerdem werde sich erst noch zeigen, ob diese Kultur die Abschaffung der Regelungen und den Einbruch an den Aktienmärkten überstehen kann, sagte Camille Fohl.

Steuervorteil federt Kursverluste ab

Die Bilanz der Performance der anwesenden Vertreter von Generalpart und Luxiprivilège - zwei von fünf „Loi Raut`-Sicavs - fiel positiv aus. Inder vorgeschriebenen Haltefrist von mindestens vier Jahren habe der Steuervorteil die Verluste aus der Kursentwicklung bislang abfedern können.

Auch Gesellschaften, die in den letzten Jahren an die örse gingen oder eine Kapitalerhöhung durchführten, profitierten von den Steuervorteilen. Diese haben die Menschen motiviert, ihr Geld in Luxemburger Werte zu investieren. Mit der Beseitigung der Abschrei= bungsmöglichkeiten gehe diese Motivation künftig verloren, sagte Alain Huberty. Jetzt müssen die börsennotierten Unternehmen oder Gesellschaften, die einen Gang an die Börse planen, selbst für Attraktivität sorgen.

Was die Zukunft der „Loi Rau"Investmentfonds betrifft, müssen alle Anbieter eine Aussage machen, welche Anlagepolitik sie verfolgen wollen, hieß es weiter. Änderungen der Statuten müssen aber erst von der Aufsichtsbehörde genehmigt werden. Die Verringerung des Mindestanteils luxemburgischer Werte müsse nicht zwangsläufig zu einem Ausverkauf an Luxemburger Aktien führen, meinte z. B. Fohl. Huberty sagte, dass die Versicherungsgesellschaft Le Foyer auch künftig Luxemburger Aktien unterstützen will und dementsprechende Werte berücksichtigen wird.

Appell an Fondsmanager

Unbestritten ist, dass mit den „Loi Rau"-Bestimmungen an der Börse die Nachfrage nach Luxemburger Werten unterstützt wurde. Damit wurden nicht nur die Kurse gepflegt, auch das Handelsvolumen

insgesamt sei gestärkt worden, sagte Börsendirektor Michel Maquil. Jetzt, wo die Bestimmungen schrittweise abgeschafft werden, sei aber nicht mit einer gegenteiligen Wirkung zu rechnen. Die Fondsmanager wüssten um die Folgen, wenn große Aktienpakete auf den Markt geworfen werden, meinte Maquil. Er appellierte zudem an das Verantwortungsbewusstsein der Fondsmanager, bei der Neuorientierung luxemburgische Wertpapiere zu berücksichtigen. Bei einigen Gesellschaften stelle die Dividende zudem derzeit eine bessere Rendite dar als Zinsen auf dem Sparbuch.

„Liquidität einer Börse hängt von guten Gesellschaften ab“

Dem Vorwurf, die geringe Liquidität an der Börse sei mit verantwortlich für die schwache Kursentwicklung verschiedener Werte, entgegnete Maquil, dass es nicht Aufgabe der Börse sei, für Liquidität zu sorgen. Die Liquidität einer Börse werde angetrieben von guten Gesellschaften, sagte er mit Hinweis auf das Beispiel Helsinki. Mit der Notierung von Nokia entwickelte sich die Börse dort zu einer boomenden Handelsplattform. Aufgabe der Börse sei es, günstige Rahmenbedingungen für einen funktionierenden Handel zu schaffen.

Technologisch sei die Luxemburger Börse auf dem neuesten Stand. Derzeit werde ein neues System getestet, das den direkten Zugriff der Banken auf das Handelssystem der Börse ermöglicht. Damit werde auch eine Basis geschaffen, institutionellen Investoren einen direkten Zugriff zu geben, womit die Nachfrage stimuliert werden könnte.

Zum Thema zusätzliche private Alterversorgung machten die Podiumsteilnehmer deutlich, dass es sich dabei in erster Linie nicht um eine steuersparende Kapitalanlage handelt. Vielmehr soll das Leben im Ruhestand zusätzlich finanziell abgesichert werden. Zahlreiche Fragen der Besucher im vollbesetzten Kulturzentrum „Prince Henri" in Walferdingen machten allerdings deutlich, dass beim Thema 3. Pfeiler noch Aufklärungsbedarf besteht.

Luxemburger Wort 12.12.02


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