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Der neue Investas-Präsident Raymond Goebbels meint, dass
das Urteil „im Sinn der Minderheitsaktionäre"
fallen könnte. Aktuelle Entwicklungen geben Anlass zu
Spekulationen.
In der vergangenen Woche war RTL Group an
der Luxemburger Börse der Verlierer. Die Aktie gab 5,75
Prozent ab. Grund waren die Gerüchte, dass die Gütersloher
Muttergesellschaft Bertelsmann versuchen würde, dem belgischen
Investor Albert Frère eine Lösung vor zu schlagen,
damit der seinen 25,1-Prozentan-teil an Bertelsmann nicht
an die Börse bringt. Nach Medien-Informationen hatte
Bertelsmann außerdem Investmentbanker mit Vorbereitungen
für den Verkauf seiner Musiksparte beauftragt.
Der Geschäftsbereich umfasst eine 50-Prozent-Beteiligung
an der weltweit zweitgrößten Plattenfirma Sony
BMG, die Künstler wie Alicia Keys unter Vertrag hat.
Außerdem gehört der gewinnträchtige Musikverlag
BMG Music Publishing zu der Sparte. Das 2004 fusionierte Unternehmen
Sony BMG hatte zuletzt mit Führungsproblemen und dem
Verlust von Marktanteilen zu kämpfen.
Derartige Abwehrreaktionen könnten auch
darauf hinweisen, dass Bertelsmann und RTL Group mit einem
für sie negativen Urteil im Prozess mit den RTL-Minderheitsaktionären
rechnen, glaubt man bei Investas, einer Schutzvereinigung
von Kleinaktionären, die auch Anteile an der RTL Group
haben.
Im Jahr 2001 tauschte Albert Frère
seine 30 Prozent am RTLKapital für 25,1 Prozent der Bertelsmann
AG, da der Konzern aus Gütersloh seinen Anteil bei den
Luxemburgern erhöhen wollte. Minderheitsaktionäre
konnten nicht von den gleichen Tauschbedingungen profitieren,
weshalb sie vor Gericht zogen.
Bislang konnten weder der „Code de
conduite", den die EUKommission 1976 als Empfehlung für
seine Mitglieder herausgab, noch das geplante OPA-Gesetz rechtswirksame
Hilfen für die Minderheitsaktionäre liefern. „Rückwirkend
kann man das OPA-Gesetz sicher nicht anwenden", glaubt
Goebbels, der vergangenen Freitag als neuer Präsident
der InvestmentschutzVereinigung gewählt wurde. Sein Vorgänger
Jean-Paul Hoffmann hatte sein Amt im Mai 2005 niedergelegt.
Die aktuellen Entwicklungen bei Bertelsmann/RTL stimmen Goebbels
zuversichtlich.
„Ich habe ein gutes Gefühl",
sagte er in bezug auf den Prozess, der noch in diesem Jahr
zu Ende gehen dürfte. Am 5. April sollen die Plädoyers
der verschiedenen Parteien abgeschlossen sein. Danach wird
das Urteil erwartet.
D’Wort, 3. April, 2006
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